Es war das große Highlight der Wintersaison, auf das die Athletinnen und Athleten die letzten vier Jahre hingearbeitet hatten. 16 Sportlerinnen und Sportler der Skiverbände Baden-Württemberg wurden vom DOSB für die Olympischen Winterspiele in Mailand/Cortina nominiert. Während es für Anton Grammel, Julia Tannheimer, Agnes Reisch und den überraschend nominierten Jakob Moch um das Sammeln von Erfahrungen bei den ersten Winterspielen ging, schafften es zwei Ba-Wü Sportlerinnen auf das von vielen so ersehnte Podium. Die skispur blickt auf das zweiwöchige Großevent in Italien und das Abschneiden der Sportlerinnen und Sportler aus Baden-Württemberg zurück.
Silberner Beginn mit goldenem Ende
Als Jakob Moch nach 50 Kilometern in der klassischen Technik ins Ziel kam, war es geschafft. Am Tag seines 20. Geburtstags hatte der Langläufer vom WSV Isny einen weiteren Höhepunkt einer unglaublichen Saison. Der 50km-Massenstart am vorletzten Tag der XXV. Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo war der Abschluss für die Langläufer und markierte für Jakob das Ende seines Olympia-Debüts, mit dem er zum Ende des Jahres niemals gerechnet hätte. Nach seinem Schritt an das College in den USA hatte er noch im Dezember im Gespräch mit der skispur von seinem Saisonziel gesprochen, der Quali für die Junioren-Weltmeisterschaft. Weltcup, geschweige denn Olympia, waren Ziele in weiter Ferne. Was dann über den Jahreswechsel folgte kommt einem kleinen Wintersport-Märchen gleich. Auf die kurzfristige Weltcupnominierung mit Platz 21 in Davos folgte das Tour de Ski Debüt und die sensationelle Nominierung für die Spiele in Italien – zusammen mit seinem großen Bruder Friedrich. Damit gab es aus SSV-Sicht schon vor dem Start der Winterspiele eine erfreuliche Nachricht zu vermelden, es sollte nicht die letzte bleiben…
Aus Württemberg gab es mit Jakob Moch gleich drei weitere Olympia-Debütanten. Anton Grammel (SC Kressbronn), Julia Tannheimer (DAV Ulm) und Agnes Reisch (WSV Isny) zeigen, dass der SSV sich bei der nächsten Generation an Olympischen Athletinnen und Athleten nicht verstecken braucht. Für die Winterspiele, die in Norditalien an sieben Orten parallel stattfanden, hatten sich 16 Sportlerinnen und Sportler aus den Skiverbänden Baden-Württemberg qualifiziert. Neun davon starteten für Vereine aus dem SSV-Verbandsgebiet, sieben für den Skiverband Schwarzwald. Am stärksten war der WSV Isny, der mit den Moch Brüdern und Skispringerin Agnes Reisch gleich drei Teilnehmende hatte. Dazu stellte Baden-Württemberg mit Pia Fink (SV Bremelau), Florian Notz (SZ Römerstein) und Janosch Brugger (WSG Schluchsee) den stärksten Block im Bereich Skilanglauf. Im Biathlon hatten sich Julia Tannheimer und Janina Hettich-Walz (SC Schönwald) qualifiziert. Einen großen Block bildeten die Ba-Wü Freestyler mit Skicrosserin Daniela Maier (SC Urach), den Snowboardcrossern Jana Fischer (SC Löffingen), Leon Ulbricht (SC Rötteln) und Julius Reichle (SC Konstanz), der Halfpipe-Snowboarderin Anne Hedrich (SC Emmendingen) und Aerials-Athletin Emma Weiß (Freestyleclub Zollernalb). Im Ski Alpin gingen Anton Grammel (SC Kressbronn) und Emma Aicher (SC Mahlstetten) an den Start.
Emma Aicher mit silbernem Auftakt – 4 Hundertstel am Olympiasieg vorbei
Emma Aicher hatte sich im Laufe der Weltcup-Saison zu einer der Medaillen-Kandidatinnen gemausert und war gleichzeitig die große Hoffnung des DSV im Alpin-Bereich. Die alpinen Wettbewerbe der Damen wurden auf der traditionsreichen Tofana in Cortina d’Ampezzo ausgetragen, Emma Aicher ging wie gewohnt bei allen Disziplinen an den Start. Mit ihrer gewohnt lockeren und entspannten Art hatte sie DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier ein Versprechen gegeben: „Wolfi, in Mailand, da holen wir Medaillen. Nicht eine, mehrere!“ Druck schien die 22-jährige, gebürtige Schwedin nicht zu verspüren. Wenn, dann macht sie sich selbst Druck. Vor dem Beginn der Spiele formulierte sie gewohnt trocken ihr Ziel für Olympia. „Ich habe schon sehr viel trainiert die letzten Jahre, also ich hoffe, dass es sich so langsam auszahlt.“ Gesagt, getan: schon am zweiten Tag der Spiele war es so weit. Mit einem beherzten Abfahrtslauf fuhr die für den Verein ihres Vaters startende Emma Aicher auf Rang 2 hinter der US-Amerikanerin Breezy Johnson – mit einem denkbar knappen Rückstand von vier hundertstel Sekunden. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass Emma Aicher um einen Wimpernschlag am Olympiasieg vorbeigefahren war, stand doch noch unter anderem die große Lindsey Vonn im Starthaus. Die deutsche Allrounderin zeigte sich nicht ganz zufrieden mit ihrem Lauf, vor allem bei den Sprüngen hatte sie Zeit verloren. Am Ende überwiegte aber die Freude über die Silbermedaille – das erste Edelmetall für Team Deutschland in Mailand/Cortina und die erste Einzelmedaille für den SSV seit Simon Schempp 2018 (Silber im Massenstart). Ein ganz besonderer Gratulant nach dem großen Erfolg war Opa Franz Aicher, der in der Sportschau Glückwünsche aus Mahlstetten überbrachte. „Es war schon hochemotional, muss ich sagen. Ich hätte damit nicht gerechnet.“
Da Emma in allen alpinen Wettbewerben startete, waren die Hoffnungen auf weitere Medaillen groß. Zwei Tage nach dem Silber-Erfolg starteten Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann (SC Starnberg) in der Team Kombination. Weidle-Winkelmann legte in der Abfahrt mit Rang 6 mit gut einer halben Sekunde Rückstand auf das Podest vor, es brauchte also einen starken Lauf von Emma Aicher. Diese schien nach der Silbermedaille wie befreit aufzufahren und bescherte dem DSV mit Laufbestzeit die zweite Silbermedaille. Dass wieder nur fünf Hundertstel zu Gold fehlten war allenfalls eine Randnotiz, zu groß war die Freude über die gemeinsame Medaille mit Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann. Gerne hätte die in Salzburg lebende Aicher noch weitere Medaillen eingefahren, doch im Super G und Slalom hat es nicht sein sollen. Trotzdem stehen am Ende zwei strahlende Medaillen und die Gewissheit, dass der DSV und SSV einen neuen Alpin-Star haben.
Unter etwas anderen Vorzeichen war hingegen Anton Grammel zu den Männer-Wettbewerben nach Bormio gereist. Vier Jahre nach seinem Weltcup-Debüt hatte sich der 27-jährige mit starken Leistungen im Vorwinter und Platz 11 in Sölden sowie Platz 10 in Schladming an die Weltspitze herangearbeitet. Vor allem mit dem starken Ergebnis in Schladming hatte er noch einmal Argumente geliefert und wurde so trotz der nicht komplett erfüllten Olympia-Norm vom DOSB nominiert. Nachdem der Kressbronner den Super G nutzte, um Olympia-Luft zu schnuppern wollte er in seiner Parade-Disziplin, dem Riesenslalom, die Top10 angreifen. Unterstützt wurde er vor Ort von seinem Vater Joachim Grammel, dazu gab es im Vereinsheim des SC Kressbronn ein großes Public Viewing. Im ersten Durchgang zeigte sich früh, dass eine frühe Startnummer viel wert war. Anton Grammel startete als 22. Auf einer gezeichneten Piste schlug er sich solide, am Ende wurde es Rang 15 bei seiner Olympia-Riesenslalom Premiere.
Moch-Brüder mit emotionalem Moment
Apropos Olympia-Premiere. Nach der überraschenden Nominierung von Jakob Moch ging es für ihn sowie für seinen Bruder Friedrich Moch und Florian Notz direkt am ersten Olympia-Wochenende los mit dem 20 Kilometer Skiathlon der Herren. Für Jakob, der wahrscheinlich das größte Talent im DSV-Langlauf ist, ging es bei den Rennen in Tesero um das „Erfahrung sammeln“ (Zitat Bundestrainer Peter Schlickenrieder). Florian Notz und Friedrich Moch bestritten ihre zweiten Winterspiele. Nach einer vor allem für Friedrich Moch eher durchwachsenen Saison waren die Erwartungen etwas gedämpft, Medaillenchancen rechnete man sich wenn überhaupt in der Staffel aus. Eines der Bilder aus Ba-Wü Sicht lieferten Friedrich und Jakob im Zielbereich nach dem Skiathlon-Auftakt. Völlig ausgepumpt lagen beide zuerst im Zielbereich – nach dem sie sich von den Strapazen des Skiathlons erholt hatten konnte Friedrich, der als 26. ins Ziel gekommen war, seinem jüngeren Bruder zu Platz 33 beim Olympia-Debüt gratulieren. Was für ein emotionaler Moment!
Notz & Fink beste Deutsche im Langlauf
Florian Notz beendete den Skiathlon auf dem 28. Rang, sollte sich aber von Rennen zu Rennen steigern. Über die 10km landete er auf Platz 22, Friedrich Moch lief auf Position 37 ins Ziel. Flo Notz zeigte sich trotz verpasster Top15 zufrieden, tags zuvor war sein Start aufgrund von Kopfschmerzen noch fraglich gewesen. Beide SSV‘ler warteten auf den richtigen Durchbruch, der aber auch in der Staffel nicht gelingen sollte. Zusammen mit Janosch Brugger und Jan Stölben (SLV Ernstberg) landete das Team auf Rang 8. Einen starken Auftritt zeigten Jakob Moch und Jan Stölben im Teamsprint. Mit Platz 10 in der Quali löste das Duo das Finalticket und zeigte auch im Finale einen starken Auftritt – Rang 9!
Zum Abschluss der Spiele stand für die Langlauf-Herren das 50km Rennen auf dem Programm. Eine weitere Premiere für Jakob Moch, der zusammen mit Florian Notz und Friedrich Moch an den Start ging. Letzterer zeigte sein stärkstes Rennen der Spiele und landete auf Rang 20. Das galt auch für Flo Notz. Erneut zeigte er, dass er zurzeit der stärkste deutsche Langläufer ist und konnte endlich zeigen, was in ihm steckt. Mit einem starken Fight schaffte er es nach 50km in die Top10. „Für mich war das mein bestes Rennen bei einem Großereignis, arg viel cooler hätte es wirklich nicht laufen können.“
Für die für den SV Bremelau startende Münsingerin Pia Fink waren die Olympischen Winterspiele ähnlich wie bei den Herren ein auf und ab. Die 30-jährige war in dieser Saison die konstanteste DSV-Athletin bei den Damen mit regelmäßigen Ergebnissen zwischen Platz 10 und 15. Dementsprechend konnte der 12. Rang im Skiathlon zum Auftakt als Start nach Maß bezeichnet werden. Aber natürlich war auch für Pia Fink die Hoffnung da, in die Top10 zu laufen. Nach dem 19. Platz im 10km Freistil Rennen zeigte sie sich enttäuscht, war sie in diesem Winter auf dieser Strecke schon zehnte in Davos geworden. „Es war nicht das, was ich mir heute vorgenommen habe – momentan bin ich auch ein bisschen ratlos und weiß nicht genau, woran es lag.“ Diese Ratlosigkeit zog sich ein wenig durch die Spiele der Langläuferinnen und Langläufer. Auch die 4x7,5km Staffel der Frauen, die in den vergangenen Jahren der Garant für Medaillen bei Großevents war, schrammte knapp am Podium vorbei. Einmal mehr war Pia Fink der Lichtblick im deutschen Team. Als Schlussläuferin zeigte sie eine starke Vorstellung und brachte das Team noch auf Rang vier nach vorne. Am Ende ist der Medaillentraum geplatzt, Pia Finks zweite Olympia-Teilnahme kann sich aber dennoch richtig sehen lassen.
Siegerin auch ohne Medaille!
Ein ähnliches Fazit dürfte auch Skispringerin Agnes Reisch ziehen. Nachdem die für den WSV Isny startende 26-jährige regelmäßig in die Top5 im Weltcup gesprungen war, waren die Erwartungen an sie und das Skisprung-Team der Damen hoch – Medaillen schienen greifbar. Dementsprechend herrschte Ernüchterung, nachdem die Damen sowohl in den Einzelwettkämpfen als auch im Mixed-Team die Medaillen verpassten. Wer Agnes Reischs Geschichte kennt, weiß aber, dass die Winterspiele für sie viel mehr bedeuteten als Platz 9 und 10 im Einzel. Mit der Teilnahme bei Olympia in Mailand/Cortina 2026 ging für sie ein Kindheitstraum in Erfüllung. Ein Traum, von dem sie selbst sagt, dass dieser in den letzten Jahren in weite Ferne gerückt war. Nach vielen Verletzungen und Rückschlägen hatte sie in der vergangenen Saison die Wende geschafft, in dem sie „auf meine Intuition und auf meinen Körper“ gehört habe. Mit diesem Weg schaffte sie es in die Weltspitze und zu ihren ersten Olympischen Spielen. Teil des Weges war auch ihre offene Art, mit der sie erklärte, dass sie aufgrund ihres Menstruationszyklus und der damit verbundenen Unsicherheit auf ihre Trainingssprünge verzichtet hat. Somit steht am Ende zwar keine Medaille, aber die Gewissheit, „ich habe gewonnen“.
Degenfeld feiert einen Olympiasieger
Gewonnen im klassischen Sinne hat ein gebürtiger Göppinger. Philipp Raimund (SC Oberstdorf) machte mit seinem Olympiasieg von der Normalschanze nicht nur ganz Oberstdorf stolz, sondern auch den SC Degenfeld. Bevor der 25-jährige mit seinen Eltern ins Allgäu gezogen war, hatte er das Skispringen auf den Schanzen des SC Degenfeld unter Richard Baur gelernt. Nicht nur in Degenfeld, sondern auch auf der Schwäbischen Alb, genauer gesagt in Böhmenkirch bei Philipp Raimunds Großeltern, ist man mächtig stolz auf die Goldmedaille des Enkels.
Mit eigenem Weg zu Olympia
Emma Weiß zeigt einmal mehr, was mit harter Arbeit möglich ist. Die einzige Starterin in der Disziplin Aerials hatte sich mit starken Leistungen zum zweiten Mal für die Olympischen Spiele qualifiziert. Besonders bemerkenswert ist das, da die Disziplin Aerials weiterhin nicht vom DSV gefördert wird. Mit Unterstützung der Sporthilfe und eigenen Sponsoren sowie ihrem Trainer und Vater Armin schaffte sie es nach Livigno, dem Austragungsort der Freestyle-Wettkämpfe. Neu entdeckt hat Emma für sich den christlichen Glauben, aus dem sie Kraft und neue Motivation schöpft: „Früher habe ich Sport aus egoistischen Motiven betrieben. Jetzt will ich damit auch etwas zurückgeben“, sagt sie. Mit dieser Einstellung meisterte sie ihr erstes großes Ziel, die Qualifikation für das Finale. Dieses erreichte sie mit starken Sprüngen und einem 11. Platz. Aufgrund des Wetters fanden die Qualifikation und das Finale am selben Tag statt. Im hochklassig besetzten Final-Feld war Emma Weiß die einzige Europäerin. Mit Blick auf ihren eigenständigen Weg ohne Förderstrukturen ist die Qualifikation schon ein riesen Erfolg. Im Finale zeigte die für den Freestyleclub Zollernalb startende 26-jährige einen neuen Sprung und schloss den Wettkampf auf Platz 12 ab und zeigte sich danach richtig zufrieden. „Ich bin stolz auf meine Sprünge, stolz darauf hier zu sein und unglaublich dankbar für die großartige Unterstützung meiner Liebsten.“
Historischer Erfolg im Skicross
Während Emma Weiß mit ihrem Sonderweg absolut im Soll war, blieb und bleibt der restliche Freestyle-Bereich das Sorgenkind des DOSB. Am Ende überragt eine Schwarzwälderin die magere Ausbeute – doch der Reihe nach.
Für die Skiverbände Baden-Württemberg gingen inklusive Emma Weiß sechs Athletinnen und Athleten an den Start. Einen starken Block bildeten die Schwarzwälder Snowboarder mit den SBX’lern Jana Fischer, Leon Ulbricht und Julius Reichle sowie Anne Hedrich, die in der Halfpipe an den Start ging. Bis auf Jana Fischer war es für alle das Olympia-Debüt. Auch hier galt der Vorsatz „Erfahrung sammeln“, da es für alle sicher nicht die letzten Winterspiele gewesen sind. Leider schaffte es keiner im Deutschen SBX-Team weiter als das Viertelfinale. Besonders bitter war das Ausscheiden von Leon Ulbricht, der im Viertelfinale in einen unglücklichen Crash mit seinem Teamkollegen Martin Nörl verwickelt war. Große Hoffnungen machte sich das Duo Fischer/Ulbricht im Mixed-Wettbewerb. Jana und Leon fighteten sich bis ins Halbfinale, am Ende wurde es ein starker siebter Rang. Anne Hedrich schaffte es bei ihrem Halfpipe Olympia-Debüt als 21. nicht in den Finaldurchgang, für die 19-jährige waren es aber sicher nicht die letzten Winterspiele.
Die Freestyler waren insgesamt ein wenig vom Pech verfolgt. In Livigno wartete man lange vergeblich auf eine Medaillen-Nachricht. An Tag 14 der Spiele sollte dies eine Schwarzwälderin ändern. Daniela Maier hatte bereits 2022 in einem dramatischen Skicross Finale eine Bronzemedaille geholt und hat sich in den vergangenen vier Jahren zu einer echten Siegfahrerin entwickelt. Sechs Weltcupsiege machten sie ganz automatisch zu einer der Mitfavoritinnen bei den Skicross-Damen. Und Daniela gelang so etwas wie der perfekte Wettkampf. Bereits bei der vormittags stattfindenden Qualifikation legte sie die schnellste Zeit in den Snowpark von Livigno. Ab dem Viertelfinale dominierte sie jeden ihrer Heats und fuhr souverän in das große Finale. Hier hatte sie es mit der Crème de la Crème des Skicross zu tun – inklusive der Olympiasiegerin von 2022, Sandra Naeslund. Aber Daniela Maier machte das, was sie schon den ganzen Tag über gemacht hatte. Vom Start weg übernahm sie die Führung, welche sie bis zur Ziellinie nicht mehr hergab. Mit dem Sieg im olympischen Skicross Wettbewerb der Damen feiert sie den größten Erfolg ihrer Karriere. Was ein wunderschöner Tag für Daniela und die Schwarzwälder Wintersport-Family! Die Goldmedaille war nach den zwei Medaillen von Emma Aicher die dritte Medaille für die Skiverbände Ba-Wü und die erste Goldmedaille seit dem Gold von Kombinierer Fabian Rießle 2018 mit dem Team.
Nachträgliches Gold für Simon Schempp
Dass sich am Ende alles zum Guten wenden kann, zeigte ein Quartett, das eigentlich schon in der sportlichen Rente verweilt. Mit zwölf Jahren Verzögerung erhielt die deutsche Biathlon-Staffel um Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp ihre Goldmedaillen von den Olympischen Winterspielen 2014. Die deutsche Staffel war am 22. Februar 2014 im russischen Sotschi zunächst auf Rang zwei eingelaufen. In einem packenden Finale hatte Schlussläufer Simon Schempp (SZ Uhingen) im Zielsprint gegen den Russen Anton Schipulin knapp das Nachsehen. Infolge des Dopingskandals um das russische Team bei den Spielen 2014 wurde die russische Staffel disqualifiziert. Die offizielle Übergabe fand im Rahmen der Verfolgungswettkämpfe in Antholz statt.
Es sollte die einzige Goldmedaille für das deutsche Biathlon bleiben. Wie für das gesamte Team verliefen die Spiele auch für Janina Hettich-Walz und Julia Tannheimer durchwachsen. Hettich-Walz holte bei ihrem Start im Einzel einen guten achten Platz. Für den Sprint und anschließend auch die Verfolgung musste Hettich-Walz allerdings wegen Magenbeschwerden aussetzen. Julia Tannheimer trat im Sprint und in der Verfolgung an und zeigte starke Laufzeiten, verbaute sich jedoch am Schießstand bessere Ergebnisse. Im Sprint erreichte sie bei zwei Fehlern Rang 20, in der Verfolgung fiel sie mit insgesamt fünf Fehlern auf Rang 34 zurück. In der Frauen-Staffel legte sie einen fulminanten Start hin, übergab in Führung liegend auf Franziska Preuß (SC Haag). Das Damen-Team machte leider insgesamt zu viele Fehler am Schießstand, am Ende wurde es Rang 4. Im abschließenden Massenstart kam Julia Tannheimer nicht mehr zum Einsatz. Trotz der nicht ganz zufriedenstellenden Ergebnisse konnte sie wertvolle Erfahrungen sammeln, ihr gehört die Zukunft im deutschen Damen-Biathlon.
Team Ba-Wü bei Olympia – ein Fazit
Die Olympischen Spiele waren für die Athletinnen und Athleten aus Baden-Württemberg ein Auf- und Ab, mit Enttäuschungen aber auch vielen Lichtblicken. Allen voran stehen die zwei Silbermedaillen von Emma Aicher und die Goldmedaille von Daniela Maier. Drei Medaillen gab es auch bei den Spielen 2022 in Peking, die sechs Medaillen von 2018 bleiben unerreicht. Hervorzuheben ist aber, dass drei der sechs Medaillen des DSV auf das Konto der Skiverbände Ba-Wü gehen. Am meisten Hoffnung machen aber die sieben Olympia-Debütanten, die hoffentlich auch bei den Winterspielen 2030 in Frankreich viel Freude bereiten werden.
Der SSV gratuliert allen Olympioniken zur erfolgreichen Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2026! Red.
Einen ausführlichen Rückblick mit vielen Bildern gibt es in der kommenden skispur-Ausgabe, die nächste Woche erscheint!
Fotos: Team Deutschland / Philipp Reinhard / Sofie van Bilsken